Industrie Campus 4.0
Industrie 4.0 bezeichnet die Verschmelzung der realen mit der virtuellen Welt durch die Vernetzung von Maschinen, Produktionsprozessen und Informationssystemen. Disziplinen wie Maschinenbau, Logistik und Dienstleistungen kommunizieren auf eine neue, intelligente Weise miteinander.
Das Internet der Dinge (IoT) ist ein zentrales Element dieser Entwicklung und führt zu erheblichen Verbesserungen im industriellen Sektor: Produktionszyklen werden verkürzt, Kundenbedürfnisse fließen in Echtzeit in die Produktion ein und Wartungsarbeiten werden weitgehend automatisiert durchgeführt. Aufträge werden automatisch in der richtigen Reihenfolge abgewickelt, wodurch die Smart Factory entsteht. (DIN_Forschung & Innovation)
Transformation
Die Industriearchitektur durchläuft eine stille, aber tiefgreifende Transformation. Produktionsstätten, Logistikzentren und Bürolandschaften sind längst keine voneinander isolierten Funktionsinseln mehr. Unternehmen gestalten heute integrierte Lösungen, die operative Effizienz mit Markenidentität verbinden – Orte, welche die Voraussetzungen für Höchstleistungen schaffen und zugleich die Werte eines Unternehmens sichtbar machen.
Andererseits, als Reaktion auf Industrie 4.0, rücken Unternehmenskultur und „Soft-Facts“ wieder verstärkt in den Fokus neuer Bauaufgaben, ins besonders die soziale Nachhaltigkeit wird zum zentralen Leistungsmerkmal. Durch den demografischen Wandel, die Globalisierung und den hohen Bedarf an Spezialisten in unserer Wissensgesellschaft stehen Unternehmen heute im globalen Wettkampf „Fight for the Talent“.
Der Industrie Campus 4.0 schafft zum einen hocheffiziente Orte für Arbeit, Produktion und Logistik und zum anderen Orte, welche die emotionale Ebene ansprechen. Orte, bei denen, als Gegenpol zur Digitalisierung und Robotisierung, der Mensch wieder eine zentrale Rolle einnimmt. Orte mit Seele und Sinnhaftigkeit.
Zwei aktuelle Projekte der Michelgroup – der Mädler Campus und der Weleda Cradle Campus – stehen exemplarisch für die Transformation der Industriearchitektur.
Intelligent orchestriert
Das Projekt Mädler Campus, als auch der Weleda Cradle Campus standen vor einer ähnlichen Aufgabe: Produktion, Logistik und Administration an einem Standort zu vereinen. Die Nähe der Funktionen erspart Transportwege und somit Emissionen, steigert die Effizienz und reduziert langfristig Kosten.
Gleichzeitig verlangt dies eine präzise räumliche Choreografie: lärmintensive Logistik neben Büros, sichere und dennoch einladende Besucherwege, und ein innovatives Nachhaltigkeitskonzept, das nicht nur einzelnen Bereichen, sondern dem gesamten Campus dient.
Beim Mädler Campus sind Logistik, Fertigung und Büroflächen um grüne Innenhöfe organisiert, welche die Natur des angrenzenden Grünraums ins Gebäude holen. Ein grünes Band vom Aussenraum, über das Forum, bis in die Höfe ist die Basis für Arbeitsplatz- und Aufenthaltsqualität.
Der Weleda Cradle Campus trennt diese Funktionen in einzelne Baukörper, welche dann durch Brücken oder unter der Erde wieder verbunden werden. Dabei bleiben rund 80 % der Fläche als Grünraum erhalten.
Unsichtbare Prozesse sichtbar machen
Transparenz als Grundlage für eine neue Arbeitswelt – architektonisch, operativ und ökologisch. Besucher erleben in beiden Campusprojekten Einblicke in Produktions- und Logistikabläufe über verglaste Fassaden, kontrollierte Wegeführungen und kuratierte Ausstellungsbereiche. Fertigung und Logistik wird so nicht länger als „Black Box“ empfunden, sondern als gelebte Demonstration technologischer Kompetenz und unternehmerischer Werte.
Für Mitarbeitende entstehen Arbeitsumgebungen, die Tageslicht und Blickbezüge mit dem Kontakt zur Natur kombinieren – ein klarer Kontrast zu klassischen Industriegebäuden. Für Kunden, Partner oder die Öffentlichkeit werden Rundgänge zu einem Markenerlebnis.
Innovation als Fundament
Der Weleda Cradle Campus zeigt, wie Innovation zum strukturellen Leitprinzip wird. Neben Beton und Stahl prägen Stampflehm und Holz die Konstruktion der Gebäude. Geothermie und Solarenergie sichern den Betrieb, und Zertifizierungen wie DGNB-Platin oder KfW 40/55 belegen die klimafreundliche Performance. Höhere initiale Investitionen für einen ganzheitlich innovativen Ansatz werden durch wirtschaftlich sinnvolle Amortisationszeiten möglich und schaffen einen Leuchtturm, der die Kultur der Marke Weleda sichtbar macht.
Der Mädler Campus folgt einem anderen Ansatz: Eine kompakte Gebäudestruktur, mit gestapelten Funktionen, organisiert um grüne Höfe. Ein innovatives Konzept für die technische Gebäudeausrüstung garantiert einen Energie neutralen Gebäudebetrieb.
Fazit
Ein Industrie-Campus muss heute weit mehr sein als Infrastruktur. Er ist Arbeitsplatz, Bühne für Menschen und Produkte und Markenbotschafter. Die Projekte Mädler und Weleda zeigen, wie ein moderner Campus wirtschaftliche Voraussetzungen und Markenauftritt verbindet – effizient, nachhaltig und unverwechselbar.